Global Walnut Magazine
Old Man Stocker - stock.adobe.com

Wie Würth Elektronik die internationale Logistik harmonisiert

Eine Vision, viele Standorte: Konsistenz und Flexibilität in Einklang bringen.

Die internationale Expansion stellt Logistikorganisationen vor eine praktische Herausforderung: Wie lassen sich Lagerprozesse länderübergreifend standardisieren und gleichzeitig die betrieblichen Anforderungen der einzelnen Standorte berücksichtigen?

Für Würth Elektronik eiSos wird diese Frage mit dem Ausbau des Logistiknetzwerks immer wichtiger. Das Unternehmen setzt PSIwms an seinen Standorten in Waldenburg (Deutschland) und Lyon (Frankreich) ein und weitet das System nun auf seinen US-Standort in Watertown aus. Ziel ist es, einen internationalen Lagerverwaltungsstandard zu etablieren und dabei die spezifischen Gegebenheiten jedes Standorts zu berücksichtigen. 

Die drei Standorte repräsentieren unterschiedliche betriebliche Umgebungen. Waldenburg betreibt ein hochautomatisiertes Distributionszentrum, während das Lager in Lyon automatisierte und manuelle Prozesse kombiniert. Am Standort Watertown wird PSIwms eingeführt, um Prozesse abzulösen, die zuvor von Zwischenlösungen und der Erfahrung einzelner Mitarbeiter geprägt waren.

Unterschiedliche Anforderungen, ein Systemstandard

Im Lager am Hauptsitz von Würth Elektronik in Waldenburg lagern rund 20.000 Artikel. Es wickelt täglich etwa 2.000 Lieferscheine, 3.500 Auftragspositionen und 8.000 Lagerplatzzugriffe ab. Die hochautomatisierte Umgebung erfordert eine präzise Abstimmung zwischen dem Lagerverwaltungssystem und der Materialflusstechnik des Standorts. PSIwms unterstützt dies durch Systemparametrisierung, einschließlich der Berechnung von Versandkartons und Behältern.

Waldenburg

20.000 Artikel

2.000 Lieferscheine

3.500 Auftragspositionen

8.000 Lagerplatzzugriffe

In Lyon werden rund 4.500 Artikel auf etwa 35.000 Stellplätzen gelagert. Der Standort bearbeitet täglich rund 1.000 Lieferscheine und 2.500 Auftragspositionen. Hier bestand die Herausforderung darin, die bisher manuellen Prozesse bei laufendem Betrieb schrittweise zu automatisieren. PSIwms koordiniert die Logistik über verschiedene Lagerbereiche hinweg – von Paletten- und Fachbodenregalen bis hin zum Kleinteilelager.

Lyon

4.500 Artikel

35.000 Stellplätze

1.000 Lieferscheine

2.500 Auftragspositionen

Watertown stellt wiederum andere Anforderungen. Der Standort verfügt über rund 7.000 aktive Artikel und etwa 20.000 Stellplätze. Zuvor waren die Prozesse stark von der individuellen Erfahrung der Mitarbeiter und manuellen Zwischenlösungen abhängig. Durch die Anwendung der in Lyon entwickelten Vorgehensweise führt Würth Elektronik eine systemgeführte Lagerstrategie mit definierten Rollen, geführten Prozessschritten und nachvollziehbaren Buchungen ein. Der Standort verarbeitet heute durchschnittlich mehr als 300 Auftragspositionen pro Tag, mit Spitzenwerten von über 1.300.

Watertown

7.000 Artikel

20.000 Stellplätze

300 Auftragspositionen

Würth Elektronik eiSos GmbH & Co. KG - Lyon

Ein gemeinsames Framework mit lokaler Flexibilität

Der internationale Standard basiert auf der PSIwms Edition FLEX, die als On-Premise-Installation in der bestehenden IT-Umgebung von Würth Elektronik implementiert ist. Funktionen wie die 2D-Strichcode-Abwicklung, ESD-Prozesse und das Umspulen (Re-Reeling) werden als standardisierte Funktionsmodule über die internationalen Implementierungen hinweg genutzt. Gleichzeitig kann PSIwms standortspezifische Anforderungen wie unterschiedliche Etikettenstandards, Strichcodes und Verpackungsprozesse abdecken, ohne dass für jeden Standort separate Softwarelösungen erforderlich sind. Für Würth Elektronik entsteht so ein gemeinsamer Rahmen, der die Umsetzung lokaler Anforderungen ermöglicht.

In unserem operativen Tagesgeschäft zeigt sich der Vorteil eines flexiblen, modularen Systems ganz deutlich. Wir können Anpassungen vornehmen, ohne den übergeordneten Rahmen zu verlassen. Das reduziert Reibungsverluste, vereinfacht die Weiterentwicklung und stellt sicher, dass Verbesserungen nicht als Insellösungen enden, sondern zu wiederverwendbaren Prozessbausteinen werden.

Marko Kübler Teamleiter Internationale Logistiksysteme bei Würth Elektronik eiSos

Die Kooperation zwischen Würth Elektronik und PSI hat sich über einen Zeitraum von rund zehn Jahren entwickelt. Im Laufe der Zeit hat Würth Elektronik zudem eine größere Autonomie bei der Verwaltung kleinerer Konfigurationen gewonnen, wie beispielsweise bei der Strukturierung von Lagerzonen. Das Unternehmen plant, diese Eigenständigkeit durch den Aufbau eines internen internationalen Logistikteams weiter auszubauen. Die Partnerschaft erstreckt sich zudem über die einzelnen Implementierungen hinaus. Würth Elektronik beteiligt sich an der PSIwms Competence Group, einem Kundenbeirat, über den Kunden Anforderungen und Erfahrungen in die Weiterentwicklung von PSIwms einbringen können.

Erfahrungen über Grenzen hinweg nutzen

Die Erfahrungen eines Standorts dienen dabei als Ausgangspunkt für den nächsten. Die in Lyon entwickelte Vorgehensweise diente als Basis für die Implementierung in Watertown, während sich die unterschiedlichen betrieblichen Rahmenbedingungen der Standorte weiterhin im gemeinsamen Framework widerspiegeln. Der nächste Schritt ist der geplante Ausbau des internationalen Hub-Netzwerks nach Asien. Für Würth Elektronik bildet der bestehende Standard die Grundlage für weitere internationale Implementierungen, während die einzelnen Standorte ihre eigenen betrieblichen Anforderungen berücksichtigen können.

Marko Kübler bringt es auf den Punkt: „Die rund zehnjährige Zusammenarbeit mit PSI gibt uns die notwendige Kontinuität für einen internationalen Standard.“ Für PSI veranschaulicht die Partnerschaft, wie Internationalisierung in der Praxis funktionieren kann. „Gemeinsam mit Würth Elektronik haben wir ein Framework geschaffen, das international einheitliche Prozesse ermöglicht und gleichzeitig die Besonderheiten der einzelnen Standorte berücksichtigt“, sagt Julian Beike, Teamleiter Projektmanagement bei PSI. „Das ist die ideale Basis, um das Hub-Netzwerk weiter auszubauen und zusätzliche Standorte effizient in den Standard zu integrieren.“

Die Case Study belegt: Internationale Standardisierung erfordert keine identischen Prozesse an jedem Standort. Ein gemeinsames technologisches Framework schafft Konsistenz und gibt den Standorten zugleich die Freiheit, ihre eigene betriebliche Realität abzubilden – die beste Grundlage für nachhaltiges internationales Wachstum.

Weiteres zum Thema

Produkt PSIwms

Warehouse Management Software zur Steuerung, Kontrolle und Optimierung Ihrer Intralogistik.